GESUNDHEIT & PRÄVENTION

Discovering Hands. Wenn Tasten präziser ist als Sehen.

Von Michela · April 2026

Discovering Hands. Wenn Tasten präziser ist als Sehen.

Es gibt eine Methode der Brustuntersuchung, die mit blossen Händen arbeitet, ganz ohne Gerät. Sie wird von Frauen durchgeführt, die nicht sehen können oder nur sehr eingeschränkt. Genau das macht sie so genau. Discovering Hands. In der Schweiz im Aufbau, und eine der eindrücklichsten Geschichten in der Brustvorsorge.

Die Idee in einem Satz

Sehbehinderte und blinde Frauen werden ausgebildet, um die Brust mit ihren Händen zu untersuchen. Ihr Tastsinn ist trainierter, feiner und systematischer als der einer sehenden Person. Was im Alltag eine Einschränkung ist, wird in der Vorsorge zum Vorteil.

Die Frauen heissen Manuell Taktile Untersucherinnen, kurz MTU. Sie tasten methodisch, in einem festen Raster, und finden dabei Veränderungen, die mit dem freien Auge nicht sichtbar und in der ärztlichen Tastuntersuchung oft noch zu klein wären.

+30%

mehr Veränderungen ertastet als ein Arzt in der gleichen Zeit

−50%

kleinere Knoten erkannt, oft schon ab wenigen Millimetern

Wie genau ist das?

Discovering Hands gibt eine klare Zahl an: MTUs ertasten rund 30 Prozent mehr Veränderungen und 50 Prozent kleinere Knoten als ein Arzt oder eine Ärztin in der gleichen Zeit. Konkret heisst das: wo eine geübte Hand bei etwa einem Zentimeter an die Grenze kommt, kann eine MTU bereits Veränderungen von wenigen Millimetern erspüren.

Das ist kein Ersatz für Mammographie oder Ultraschall. Bildgebung sieht durch das Gewebe hindurch und entdeckt Veränderungen, die niemand tasten kann. Aber MTUs schliessen eine Lücke, die zwischen Selbstuntersuchung und Mammographie klafft. Eine Lücke, die gerade für jüngere Frauen relevant ist, für die ein Mammographie Screening noch nicht standardmässig vorgesehen ist.

«Was wir nicht sehen, kann erstaunlich klar erfühlbar sein. Discovering Hands zeigt, wie viel Präzision in einer geübten Hand steckt.» Radiosa

Wer steht dahinter

Die Methode wurde in Deutschland entwickelt, vom Frauenarzt Frank Hoffmann, mit der Idee, eine medizinische Untersuchung systematisch zu machen, die sonst oft eher routiniert nebenbei läuft. Aus dem Konzept ist eine eigenständige Ausbildung geworden, ein Berufsbild und eine soziale Innovation, mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Innovationspreis der BBGM, dem Corporate Design Preis 2018, dem Award der Deutschen Initiative Land der Ideen und dem EESC Award der Europäischen Kommission.

In der Schweiz wird die Methode aktuell vom Verein PreTac+ getragen, einer gemeinnützigen Initiative mit Sitz in Genf. PreTac+ bildet sehbehinderte und blinde Frauen zu MTUs aus und baut die ersten Standorte auf, an denen die Untersuchung angeboten wird.

Wo gibt es das in der Schweiz

Stand heute läuft das Pilotprojekt in Genf. Eine zertifizierte MTU startet zudem in Lausanne. PreTac+ ist auf Deutsch und Französisch erreichbar und plant den Ausbau in die Deutschschweiz, sobald genügend ausgebildete Untersucherinnen verfügbar sind.

Die Schweizerische Gesellschaft für Senologie führt Discovering Hands offiziell unter ihren komplementärwirkenden Methoden auf. Das ist ein wichtiges Signal. Es heisst: die Methode wird ernst genommen, eingeordnet und fachlich begleitet.

Wie läuft eine Untersuchung ab

Eine MTU Untersuchung dauert deutlich länger als eine klassische Tastuntersuchung beim Arzt. Statt der oft nur wenigen Minuten nimmt sich die MTU rund eine halbe Stunde Zeit. Das hat mehrere Gründe:

  • Die Untersuchung folgt einem festen Raster mit feinen Klebestreifen als Orientierung. Jeder Bereich wird systematisch abgetastet, nichts wird ausgelassen.
  • Die MTU dokumentiert Schritt für Schritt, was sie fühlt. Konsistenz, Beweglichkeit, Form. Das Protokoll geht im Anschluss an deine Ärztin oder deinen Arzt.
  • Wenn etwas auffällig ist, weiss die MTU sehr genau wo. Position, Tiefe und Charakter werden klar beschrieben. Damit hat die behandelnde Ärztin eine Karte, mit der sie weiterarbeiten kann.

Du bleibst dabei in einem ruhigen Setting. Keine Geräte, keine Hektik, kein medizinischer Apparat über dir. Viele Frauen beschreiben die Untersuchung als angenehm konzentriert und respektvoll.

Für wen ist die Methode gedacht

Discovering Hands richtet sich grundsätzlich an Frauen ab dem Erwachsenenalter, die ihre Brustgesundheit aktiv begleiten lassen wollen. Besonders relevant ist die Methode für:

  • Frauen unter 50, für die das offizielle Mammographie Screening noch nicht vorgesehen ist
  • Frauen mit dichtem Brustgewebe, bei denen die Mammographie eingeschränkt aussagekräftig ist
  • Frauen, die zwischen den Vorsorgeintervallen eine zusätzliche Untersuchungsebene wünschen
  • Frauen, die ihre Selbstuntersuchung verbessern wollen und dabei von der MTU systematisch angeleitet werden möchten

Die MTU Untersuchung ersetzt weder den jährlichen gynäkologischen Termin noch die altersgerechte Bildgebung. Sie ergänzt beides.

Was es kostet, was die Kasse übernimmt

In Deutschland übernehmen mittlerweile mehrere Krankenkassen die MTU Untersuchung als Präventionsleistung, je nach Region und Tarif. In der Schweiz ist die Frage der Kostenübernahme noch offen, weil das Angebot im Aufbau ist und die Methode hier bisher als komplementärwirkend eingestuft wird, nicht als Pflichtleistung. Wer die Untersuchung machen möchte, fragt am besten direkt bei PreTac+ nach den aktuellen Konditionen.

Wer über eine Zusatzversicherung mit Prävention verfügt, kann zudem klären, ob diese sich an den Kosten beteiligt.

Warum diese Methode eine doppelte Geschichte ist

Discovering Hands ist nicht nur eine Brustvorsorge Methode. Es ist auch eine soziale Bewegung. Frauen, die im Arbeitsmarkt sonst eher mit Barrieren konfrontiert sind, werden zu Spezialistinnen einer hochpräzisen medizinischen Tätigkeit. Aus einer Behinderung wird eine Fähigkeit, die Leben rettet. Das ist eine Geschichte, die zwei Mal empowert: die Frauen, die untersuchen, und die Frauen, die untersucht werden.

Genau diese doppelte Wirkung macht den Ansatz für Radiosa interessant. Brustgesundheit ist nicht nur eine medizinische Frage. Sie ist auch ein Raum, in dem Sichtbarkeit, Verantwortung und Solidarität zwischen Frauen entstehen.

Was du jetzt mitnehmen kannst

Du musst nicht morgen nach Genf fahren, um etwas zu tun. Aber Discovering Hands ist ein guter Anlass, drei Dinge zu prüfen:

  • Selbstuntersuchung. Tastest du regelmässig, einmal im Monat, immer in der gleichen Zyklusphase? Eine MTU arbeitet im Raster. Du kannst das auch.
  • Jährlicher Termin. Hast du dieses Jahr deine gynäkologische Kontrolle bereits vereinbart? Eine Untersuchung pro Jahr ist die Basis, alles andere kommt obendrauf.
  • Früh wissen, was es gibt. Wenn du unter 50 bist, kein Screening Programm in Anspruch nehmen kannst und ein gutes Gefühl für deinen Körper haben willst, ist es wertvoll, Methoden wie Discovering Hands zu kennen. Auch wenn du sie noch nicht nutzt.

Das Wichtigste zuletzt

Discovering Hands zeigt etwas, das uns bei Radiosa wichtig ist: Brustvorsorge ist nicht eine einzelne Untersuchung. Sie ist ein System aus mehreren Ebenen. Die Selbstuntersuchung. Die regelmässige ärztliche Kontrolle. Die Bildgebung im richtigen Alter. Und manchmal eine zusätzliche, sehr feine Hand.

Je mehr Frauen wissen, was es alles gibt, desto besser können sie für sich entscheiden. Genau das ist die Idee. Clarity in BreastCare. Confidence in Women's Health.

Quellen